Der Geiger // Mechtild Borrmann
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Der Geiger // Mechtild Borrmann

Es geht ums Ganze… äh, um die Geige

Der Geiger ist – tatsächlich – mein allererstes Hörbuch (mal abgesehen von Bibi Blocksberg). Das hat ewig gedauert, weil das Hören von Hörbüchern nichts ist, was sich leicht in meinen Alltag integrieren lässt. Nachdem ich jetzt also nach fast drei Monaten zuende gehört habe, glaube ich nicht, dass sich so schnell wieder ein Hörbuch bei mir einfindet.

Mechtild Borrmann erzählt die Geschichte des großen russischen Geigers Ilja Grenko, der ins sibirische Arbeitslager muss, seiner Frau, die in die Verbannung kommt, den späteren Nachfahren, die in Deutschland leben und die Geschichte der Geige Ilja Grenkos, einer Stradivari, die der russische Staat zusammen mit Ilja verschwinden lässt.

Ilja Grenkos Schicksal bleibt über viele Jahre ein Geheimnis – der offiziellen Version zufolge ist er aus eigenen Stücken ausgewandert – bis sein Enkel, Sascha Grenko, die Spur aufnimmt, versucht, die Geheimnisse um seine Großeltern zu lüften und die verschwundene Geige zu finden.

Der Geiger spielt in zwei verschiedenen Zeiten und wird aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt: Ilja, seine Zeit in Moskauer Gefangenschaft und später im Arbeitslager; Galina, seine Frau, die in die Verbannung geschickt wird und später nach Deutschland auswandert; Sascha, der Enkel, der sich Jahre später auf Spurensuche begibt. Immer dabei: die Angst um die Geige, die zwar verständlich ist, aber doch streckenweise etwas merkwürdig anmutet. Während Iljas – als Vollblutmusiker – Angst um und sein Verlangen nach der Geige nachvollziehbar ist, bleibt bei Saschas Fokussierung auf die Geige ein komischer Nachgeschmack. Er selber spielt nicht, wusste nicht mal, dass sein Großvater spielte und trotzdem wird die Geige zum alleinigen Symbol seines Verlangens.

Die Geige findet letztendlich ihren Weg zurück zu Sascha Grenko, aber zu diesem Zeitpunkt war mir schon nichts weniger wichtig als diese blöde Geige und wo sie denn nun steckte.

Eigentlich hatte mich dieses Buch interessiert, weil ich selber Geige spiele und mir ein bisschen Inspiration und Träumen erhofft hatte – leider kommt die Geige größtenteils als Objekt vor, in das viel hineinprojiziert wird, das aber selber nie wirklich eine Seele ausbildet.


Titel: Der Geiger
Autorin: Mechtild Borrmann
Erscheinungsjahr: 2013

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