Der Wald, vier Fragen, das Leben und ich // Tessa Randau
DE,  Fiction

Der Wald, vier Fragen, das Leben und ich // Tessa Randau

Ratgeberroman für Alltagsgeplagte

Roman? Oder Lebenshilfe-Buch? Oder Frauengeschichte? Oder Ratgeber? So richtig entscheiden kann sich Der Wald, vier Fragen, das Leben und ich von Tessa Randau nicht. Stattdessen tingelt das Buch zwischen diesen Polen und kommt nirgendwo so richtig an.

Die eigentliche Geschichte – Frau ist unglücklich gefangen in ihrem Lebensentwurf, trifft beim Aufatmen im Wald auf eine mysteriöse alte Dame, die ihr über Wochen die vier Fragen des Lebens näher bringt – ist schnell erzählt und eigentlich auch unwichtig. Denn die eigentliche Substanz des Buches liegt in den vier “Fragen des Lebens”, mit deren Hilfe man zufriedener im eigenen Leben werden soll.

Ich habe mich lange gefragt, ob ich die vier Fragen in dieser Rezension aufführen soll oder ob dies zu viel von der Geschichte wegnimmt. Ich habe mich entschlossen, es zu tun, wer sie nicht wissen möchte, liest einfach weiter, ohne den Spoiler zu öffnen.

Die Geschichte ist eigentlich nur Makulatur, um diese Fragen in Szene zu setzen. Das macht Tessa Randau durchaus gekonnt, aber ich persönlich konnte mich nicht wirklich mit der Protagonistin identifizieren. Die vier Lebensweisheiten scheinen mir doch recht banal, auch wenn sicherlich nicht schaden kann, sie sich regelmäßig wieder vor Augen zu führen. Mir war das Leben der Protagonistin etwas zu privilegiert, etwas zu “girly”:

Wie sehr hatten Martin und ich uns diesen großen, weitläufigen Garten gewünscht. Er sollte unsere Oase sein, ein Ort, an dem die Kinder spielen konnten, während wir uns – ausgestreckt auf dem Liegestuhl – von der anstrengenden Arbeitswoche erholten. Doch wie oft hatten wir das bisher getan? So gut wie nie. Stattdessen ackerten wir dort: Rasen mähen, Hecken schneiden, Unkraut jäten, Blumen pflanzen, Blumen gießen, Schädlinge bekämpfen. Ständig gab es etwas zu tun, und da wir nicht alles selbst schafften, hatten wir zusätzlich einen Gärtner engagiert.

Der Wald, vier Fragen, das Leben und ich, S. 40

Einen Gärtner. Okay, Boomer.

Der klar verständliche Schreibstil macht das Buch leicht zugänglich und es liest sich auch schnell. Teilweise gibt es gute, auch nachdenklich machende Stellen (z.B. war ich sehr angetan von der Idee, Wichtigkeit von Rückschlägen auf einer 0-100 Skala zu bewerten), aber diese konzentrieren sich größtenteils auf die erste Hälfte des Buches. Gegen Ende geht es zum Beispiel auch darum, dass man sich nicht gesellschaftlich engagieren oder interessieren muss, wenn man kleine Dinge tut wie den Müll zu trennen (!) und um diese grandiose Idee:

Wir sammeln gemeinsam Ideen, wie man täglich die Welt verbessern kann, ohne dass es viel Zeit kostet.

Der Wald, vier Fragen, das Leben und ich, S. 49

Ähhm, ja… wir wollen natürlich alle ein “gutes” und “umweltbewusstes” Leben führen, aber bloß keine zu großen Einschneidungen (dementsprechend folgt dann noch der Hinweis, dass man, wenn Fleisch, dann nur Biofleisch kaufen soll).

Die vier Fragen an sich kann ich unterschreiben, mich mit der Protagonistin zu identifizieren oder mich in sie einzufühlen, ist mir nicht gelungen. Vielleicht hätte für die vier Fragen auch ein Artikel in einer Zeitschrift gereicht.


Titel: Der Wald, vier Fragen, das Leben und ich
Autorin: Tessa Randau
Erstmals erschienen: 2020

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