Die Schokoladenvilla // Maria Nikolai
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Die Schokoladenvilla // Maria Nikolai

Downton Abbey in Stuttgart

Vor einiger Zeit machte ich bei einem Gewinnspiel eines großen deutschen Buchhändlers mit und gewann – und zwar das Buch Die Schokolodenvilla – Goldene Jahre von Maria Nikolai (sogar signiert). Leider war mir nicht bewusst gewesen, dass es sich bei meinem Gewinn um den zweiten Teil einer Reihe handelte. Da ich meinen Gewinn trotzdem nicht einfach in der Ecke liegen lassen wollte (wann gewinnt man schließlich schonmal etwas?), entschloss ich mich kurzerhand, den ersten Teil in die nächste Position meiner Leseliste zu verfrachten.

Die Schokoladenvilla ist eigentlich so gar nicht mein übliches Genre – ein romantischer Historienroman mit viel Frauenpower, Intrigen, Skandalen und Stuttgarter High Society Anfang des 20. Jahrhunderts. Obwohl ich vorm Lesen skeptisch war, freute ich mich auch heimlich ein bisschen, schließlich habe ich vor Jahren wie gebannt vor Downton Abbey gesessen und mit allen mitgelitten. Im Vergleich zu Downton Abbey merkt man der Schokoladenvilla die deutsche Steifheit an, aber trotzdem war das Buch eine würdige Herbstunterhaltung.

Judith Rothmann, Tochter eines bekannten Stuttgarter Schokoladenherstellers, soll mit dem Bankierssöhnchen Albrecht von Braun verheiratet werden, was ihr, die lieber in der Fabrik neue Schokoladenkreationen entwirft, gar nicht gefällt. Ein anderes Objekt ihrer Begierde fehlt auch nicht (ich verrate hier aber nicht, wer), was allein schon zu großen Dramen und Verwerfungen führt.

Judiths Mutter Helène ist zeitgleich aus ihrer unglücklichen Ehe in ein italienisches Kurhaus abgeflogen und macht keine Anstalten zur Rückkehr. Ohne zu viel verraten zu wollen: Helènes Teile der Geschichte fand ich am interessantesten. Worauf ich hätte verzichten können, sind die kleinen Geschichten um Judiths jüngere Brüder, ein Zwillingspaar, das an Max und Moritz erinnert. Ich hoffe, dass diese kindlichen Geschichten sich im zweiten Roman der Reihe auszahlen, und die beiden Brüder sich interessant entwickeln.

Die Skandale und Dramen sind gut übers Buch verteilt, Langeweile kommt nicht auf, aber leider auch keine Spannung, die einen bis spät in die Nacht wachhält. Was ich besonders schön fand, war, dass immer wieder der Unterschied zwischen gehobener und reicher Stuttgarter Gesellschaft und den “einfachen” Menschen behandelt wird, obwohl es mir manchmal ein bisschen zu sozialromantisch angehaucht war und letztendlich ein Buch ohne große Ecken und Kanten ist.

Zum Ende hin wurden mir ein paar Konflikte dann doch zu schnell aufgelöst, z.B.

Ich habe überdurchschnittlich lange gebraucht, um Die Schokoladenvilla zu lesen, das lag aber eher nicht am Buch selber, sondern an meinem restlichen Leben, das mich im Moment sehr eingenommen hat.


Titel: Die Schokoladenvilla
Autorin: Maria Nikolai
Erscheinungsjahr: 2018

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