Die albanische Braut // Fatos Kongoli
DE,  Fiction

Die albanische Braut // Fatos Kongoli

Poetischer Thriller über die psychologischen Folgen politischer Diktaturen

Mit den A-Ländern bin ich eigentlich schon durch, aber nach Hundehaut wollte ich unbedingt noch ein Buch des albanischen Autors Fatos Kongoli lesen. Obwohl Kongoli seit dem Ende der kommunistischen Diktatur in den 90er-Jahren einiges publiziert hat, sind bisher nur zwei seiner Romane auf Deutsch erschienen: Hundehaut und Die albanische Braut.

Der deutsche Titel weicht vom albanischen (und denen der meisten Übersetzungen) ab: die Übersetzung des albanischen Originaltitels wäre eher “Der Verlorene” und dies wäre meiner Meinung nach auch treffender. Der Verlorene in dieser Geschichte heißt Thesar Lumi und ist verloren in den Mühlen der kleinen privaten und der großen politischen Dramen. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges verpasst (oder vertut) er die Chance, auf einem Flüchtlingsboot die Reise nach Italien anzutreten und bleibt daraufhin, sich dem Alkohol hingebend, bei seinen Eltern. Doch warum? Darauf gibt sein Leben eine Anwort, die vielen Verwirrungen persönlicher und politischer Naur, das Verhältnis zu Frauen, Freunden und Bekannten.

Thesar Lumis Geschichte ist faszinierend und aufreibend. Kongoli schreibt poetisch und einfühlend, Unterhaltungen sind meistens nicht in wörtlicher Rede sondern in den Prosatext eingebettet. Die Geschichte an sich ist eigentlich ein psychologischer Thriller und andere Autoren häten aus dem Stoff ein klamaukiges, schnelles Abenteuer gemacht – dank Kongoli ist es dies nicht geworden und gerade das macht dieses Buch unheimlich faszinierend und berührend.

Ich hoffe, dass in Zukunft noch weitere Bücher Kongolis in Übersetzung auf den deutschen Buchmarkt kommen werden!


Titel: Die albanische Braut
Originaltitel: I humburi
Autor: Fatos Kongoli
Übersetzer: Joachim Röhm
Erstmals erschienen: 1992 (2002)

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