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Penelope, die Listenreiche // Gohar Markosjan-Kasper

Armenien, 1994: die Bewohner Jerewans, der Hauptstadt Armeniens, müssen mit ständigen Strom- und Wasserversorgungsengpässen leben. Penelope, Freigeist und verhinderte Opernsängerin, möchte duschen, aber auch bei ihr fällt das Wasser aus. Um ihr Vorhaben doch noch in die Tat umzusetzen, macht sie sich auf den Weg, ihre Freunde, Familie, Bekannten und deren Badezimmer abzuklappern. Auf ihrem Weg zum Wasser referiert sie mit ebendiesen Menschen über Gott und die Welt (und die armenische Seele) und sinniert über ihr Leben.

Penelope, die Listenreiche lässt mich etwas zwiegespalten zurück: das Buch hat wahnsinnig gute Momente, in denen die Erzählung nur so flutscht, wirkt aber teilweise etwas unzusammenhängend und fahrig. Manche Konversationen Penelopes mit ihren Freunden werden von seitenlangen inneren Monologen Penelopes unterbrochen, die nur periphär etwas mit der eigentlichen Unterhaltung zu tun haben. Teilweise hatte ich das Gefühl, in einem ADS-Gehirn zu stochern, nur, dass Penelope kein Problem hat, sich auf etwas zu konzentrieren, es ist nur selten das, was gerade unmittelbar geschieht.

All diese kleinen Geschichten innerhalb der Geschichte sind interessant und unterhaltsam – und manchmal mitreißend – aber es sind so viele und teilweise so konfus, dass es schwierig ist, dem Buch zu folgen.

Der rote Faden des Buches ist die Dreiecks-Liebesgeschichte zwischen Penelope, Armén, und Edgar. Diese Liebesgeschichte dient hauptsächlich dazu, Penelopes Abhängigkeit von Männern darzustellen, und wird letztendlich nicht aufgelöst, was vielleicht ganz gut ist. Am Ende des Buches kam mir der Gedanke, dass alles, was ich bis dahin gelesen habe, eigentlich eine Charakterstudie über Penelope ist – daher ist das offene Ende passend, und läd ein, ganz im Geiste Penelopes, darüber zu sinnieren, was noch passieren könnte.

Titel: Penelope, die Listenreiche
Originaltitel: Penelopa
Autorin: Gohar Markosjan-Kasper
Übersetzerin: Gabriele Leupold
Erscheinungsjahr: 2001

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