Will ich ein Kind? // Melanie Hughes
DE,  Non-Fiction

Will ich ein Kind? // Melanie Hughes

Auch noch in unserer heutigen Gesellschaft (oder vielleicht gerade in ihr) kommen viele Frauen an den Punkt, an dem sie sich fragen, ob sie ein Kind wollen. So ein Kind, das ständig betreut werden muss, das der Karrierekiller schlechthin sein kann, für das man seinen Körper für mindestens neun Monate komplett aufs Kindeswohl ausrichten muss, und sein Leben noch viel länger? Melanie Hughes, Redakteurin einer Frauenzeitschrift, stellt sich diese Frage auch in ihrem Buch/Ratgeberroman/Lifestyle-Pamphlet Will ich ein Kind? – Ja, Nein, Vielleicht und grast dabei so einige Themenbereiche ab: gesellschaftlicher Druck, einverleibte Vorstellungen von Familienromantik, grauslige Spießerfamilien mit Thermomix, eigene Eltern, die “soziale Ausgrenzung” erfahren, weil sie keine Großeltern sind, Kinderbetreuung, die Karriere, Partnerschaft, Social Freezing, und, und, und…

Das ganze Buch liest sich ein bisschen wie eine Kolumne aus einer Frauenzeitschrift und ähnlich ausgelutscht sind auch die humoristischen Einwürfe. Ein Beispiel:

Schwangerschaft ist wohl der einzige Fall in der Biologie, in dem ein Parasit im Körper seines Wirts nicht von diesem abgestoßen wird. Abgesehen davon, dass ein Lebewesen, das in meinem Körper wächst, mich eher an Sigourney Weaver als an Demi Moore denken lässt.

Will ich ein Kind?, S. 83

Irritierend fand ich auch, dass Hughes mir an manchen Stellen fehlendes Wort- und Allgemeinwissen zu unterstellen scheint, zum Beispiel hier:

Gewollte Kinderlosigkeit ist eine autonome Entscheidung, die Mut kostet und mindestens Akzeptanz, wenn nicht sogar Bewunderung verdient. Noch dazu, weil es eine der wenigen Entscheidungen im Leben ist, die wirklich irreversibel ist. Ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr umzukehren.

Will ich ein Kind?, S. 126

Zu den ersten zwei Sätzen mag man stehen, wie man will – ich kenne viele (auch ältere) kinderlose Frauen, die dazu stehen und nicht angefeindet werden. Bewunderung ist für mich da genauso fehl am Platz wie Bewunderung für Schwangere. Der letzte Satz allerdings ist komplett unnötig: warum erklärt mir die Autorin, was irreversibel bedeutet? Ist das Buch für Elfjährige geschrieben?

Ich hatte mich wirklich auf dieses Buch gefreut, weil ich mir eine ernsthafte, sensible Auseinandersetzung mit dem Thema gewünscht habe. Hughes glossenhafte Abhandlungen erinnern mich aber eher an Stand-Up-Comedy gepaart mit Versuchen, mit der eigenen Kinderlosigkeit durch Rationalisierung ins Reine zu kommen. Dabei wird sie stellenweise regelrecht gehässig Frauen gegenüber, die Kinder haben (auch wenn dies als Humor getarnt ist).

Als Einstieg und Denkanstoß für das Thema ist das Buch vielleicht ganz gut geeignet; wenn man sich selber schon ausführliche Gedanken dazu gemacht hat, ist es vernachlässigbar.


Titel: Will ich ein Kind? Ja, Nein, Vielleicht
Autorin: Melanie Hughes
Erstmals erschienen: 2020

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