Zeige deine Klasse // Daniela Dröscher
DE,  Memoirs

Zeige deine Klasse // Daniela Dröscher

Ein Memoir, das gerne Gesellschaftsanalyse sein möchte, aber zur Nabelschau mutiert.

Es ist ein nobles Unterfangen, das Daniele Dröscher in ihrer autobiografischen Gesellschaftsanalyse Zeige deine Klasse – Die Geschichte meiner sozialen Herkunft unternimmt: Klasse als soziale Kategorie in den Vordergrund zu stellen und Verhaltensweisen, Habita und Lebenswege mit ihr zu erklären. Auch ich finde, dass in Deutschland viel zu selten über Klasse als einflussreiche Kategorie gesprochen wird, aber leider konnte mich Dröschers Analyse nicht überzeugen.

Dröscher erzählt die Geschichte ihres Lebens, von Geburt, Elternhaus, über die Schuljahre bis zu ihrer Promotion. Sie bezeichnet sich selbst als hauptsächlich geprägt durch den Milieuwechsel von Unterschicht (obwohl dieses Wort im Buch nicht benutzt wird) zu wohlhabender Mittelschicht, den ihre Eltern aktiv vollzogen und der auf ihr gesamtes Leben, Tun und Fühlen eingewirkt hat und einwirkt. Die Fragestellung, wie sich unsere Herkunft auf unsere Chancen im Leben auswirkt, was wir aus unserem Elternhaus mitnehmen, ist interessant – leider verrennt sich Dröscher darin, ihre Erfahrungen und Erlebnisse ohne Ausnahme von A bis Z mit dem Habitus, den sie aufgrund des Milieuwechsels ihrer Familie angenommen hat, zu erklären. Als Herkunftsgeschichte oder Zeitdokument einer spezifischen Ära des Aufwachsens hat Zeige deine Klasse sicherlich seinen Platz – es zeichnet ein umfassendes Bild einer spezifisch westdeutschen Jugend, aber eben auch nicht wirklich mehr als das.
Mit diesem totalen Fokus auf den Milieuwechsel ihrer Familie als entscheidendes Moment für alles in Dröschers Leben und der Analyse ihrer eigenen Biografie mithilfe von eingestreuten, aber nicht wissenschaftlich besprochenen philosophischen und soziologischen Zitaten erscheint das Buch auf weiten Strecken primär als Nabelschau.

Auch formal und stilistisch konnte mich das Buch nicht überzeugen: Blockzitate werden teilweise für direkte Zitate genutzt, teilweise sind aber auch Absätze des normalen Textes eingerückt wie Blockzitate, was verwirrend auf den Lesefluss wirkt. Zudem arbeitet Dröscher viel mit eingefügten Listen, in denen sie zum Beispiel die Charakteristika ihrer Mutter denen ihres Vaters gegenüberstellt.

Thematisch hat mich Zeige deine Klasse an Anke Stellings Schäfchen im Trockenen erinnert – dort geht es auch um das Gefühl, nicht dazu zu gehören, nicht dieselben Voraussetzungen zu haben. Stelling konzentriert sich allerdings auf die monetären Unterschiede zu ihren Freunden, während Dröscher immer wieder betont, dass sie und ihre Familie finanziell keine Sorgen haben und auch nicht – zumindest während ihres Lebens – hatten.


Titel: Zeige deine Klasse – die Geschichte meiner sozialen Herkunft
Autorin: Daniela Dröscher
Erscheinungsjahr: 2018
Verlag: Hoffmann und Campe

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *